Mai 2026  ·  Jan Hertel  ·  ca. 6 Min. Lesezeit

„Ihr Konto wurde gesperrt." „Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden." „Ungewöhnliche Anmeldung – bitte sofort bestätigen." Solche Nachrichten landen täglich in deutschen Postfächern. Die meisten sind Phishing: Betrugsversuche, die Sie dazu bringen sollen, Passwörter, Bankdaten oder Geld herauszugeben. Die gute Nachricht ist: Mit ein paar einfachen Prüfschritten erkennen Sie die allermeisten dieser Nachrichten zuverlässig.

Was ist Phishing überhaupt?

Phishing bedeutet, dass sich jemand als vertrauenswürdiger Absender ausgibt – Ihre Bank, ein Paketdienst, ein bekannter Onlineshop oder sogar ein Kollege. Ziel ist, dass Sie auf einen Link klicken, Daten eingeben oder einen Anhang öffnen. Der Begriff steht heute nicht nur für E-Mails: Auch gefälschte SMS (oft „Smishing" genannt) und Betrugsanrufe gehören dazu.

Der wichtigste Grundsatz: Seriöse Unternehmen fordern Sie niemals per E-Mail oder SMS auf, dringend ein Passwort einzugeben, Daten zu „bestätigen" oder eine Zahlung zu leisten. Wenn genau das verlangt wird, ist höchste Vorsicht angebracht.

Sieben Warnzeichen, an denen Sie Phishing erkennen

  • Druck und Dringlichkeit: „Sofort handeln", „innerhalb von 24 Stunden", „sonst wird gesperrt" – Zeitdruck soll verhindern, dass Sie nachdenken
  • Unpersönliche Anrede: „Sehr geehrter Kunde" statt Ihres Namens ist ein Verdachtsmoment – allerdings kein Beweis
  • Absenderadresse stimmt nicht: Der angezeigte Name kann beliebig sein – die tatsächliche E-Mail-Adresse dahinter verrät oft den Betrug
  • Verdächtige Links: Fahren Sie mit der Maus über einen Link (ohne zu klicken) – passt die angezeigte Adresse nicht zum angeblichen Absender, ist es Phishing
  • Rechtschreib- und Sprachfehler: Holprige Formulierungen sind ein Hinweis – moderne Betrugsmails sind aber oft sprachlich einwandfrei
  • Unerwartete Anhänge: Eine Rechnung, die Sie nicht erwarten, oder eine ZIP-Datei von unbekannt – niemals ungeprüft öffnen
  • Aufforderung zur Dateneingabe: Jede Seite, die nach Passwort, PIN oder TAN fragt, sollten Sie kritisch hinterfragen

Die einfachste Prüfung: nicht über die Nachricht gehen

Sie müssen kein Detektiv sein. Der sicherste Trick ist denkbar einfach: Reagieren Sie nie über den Link oder die Nummer aus der verdächtigen Nachricht. Wenn Ihre Bank angeblich ein Problem meldet, öffnen Sie selbst die Banking-App oder tippen die Adresse Ihrer Bank von Hand ein. Wenn ein Paketdienst schreibt, prüfen Sie die Sendung über die offizielle App. So laufen Sie nicht in die gefälschte Seite.

Auch am Telefon: Angebliche Anrufe von „Microsoft", von der Bank oder von Behörden, die zu schnellem Handeln drängen, sind fast immer Betrug. Legen Sie auf und rufen Sie über die offizielle, selbst herausgesuchte Nummer zurück.

Was tun, wenn es doch passiert ist?

Falls Sie auf einen Link geklickt und Daten eingegeben haben, ist schnelles Handeln wichtig – aber kein Grund zur Panik:

  • Passwort sofort ändern – und überall dort, wo Sie dasselbe Passwort genutzt haben
  • Bank oder Anbieter kontaktieren, wenn Bank- oder Zahlungsdaten betroffen sind – Karten lassen sich sperren
  • Zwei-Faktor-Anmeldung aktivieren, damit ein gestohlenes Passwort allein nicht mehr ausreicht
  • Im Betrieb: melden Sie es offen statt es zu verschweigen – je früher reagiert wird, desto kleiner der Schaden

So schützen Sie sich dauerhaft

Technik allein reicht nicht – aber sie hilft. Ein aktuelles Betriebssystem, ein Spamfilter, unterschiedliche Passwörter (am besten mit einem Passwort-Manager) und die Zwei-Faktor-Anmeldung sind die wichtigsten Bausteine. In Betrieben kommt dazu, dass alle im Team die Warnzeichen kennen – denn Angreifer suchen sich gezielt die Person aus, die gerade abgelenkt ist. Mehr dazu auf unserer Seite zur IT-Sicherheit.

Eine verdächtige E-Mail erhalten und unsicher? Schicken Sie uns im Zweifel eine kurze Nachricht, bevor Sie etwas anklicken – wir schauen gemeinsam drauf. Und wenn doch etwas passiert ist, helfen wir schnell und ohne Vorwürfe. Jetzt Kontakt aufnehmen →

Hinweis: Dieser Artikel gibt allgemeine Hinweise zur IT-Sicherheit und ersetzt keine individuelle Beratung. Bei einem konkreten Betrugsfall mit finanziellem Schaden kann zusätzlich eine Anzeige bei der Polizei sinnvoll sein.

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